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March 2008

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My Muses

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Evenings | BL FanFiction


Alexanders Wut brodelte so sehr, dass das seine Lippen bebten. Scheinbar fassungslos starrte er mich an, ohne jedoch in der Lage zu sein etwas zu erwidern. Und ebenso erging es mir. „Raus!“ wiederholte ich eine Spur energischer und deutete zur Tür.Ich weiß nicht mehr, wie lange es letztendlich gedauert hatte, bevor Alexander wirklich gegangen war. Aber ich empfand es als Erleichterung endlich allein zu sein und ... frei.
Und in dieser neugewonnen Freiheit lag ich zwanzig Minuten später in heißem Badewasser. Die Luft war erfüllt von Lavendel und mein Kopf von dem schweren Merlot, den ich seit Wochen in meinem Weinregal hortete, mit dem Vorsatz, ihn bei genau diesen Gelegenheiten zu trinken.
Wie wahr. Im Hintergrund lauschte ich den Klängen von K.D. Lang und bildete mir ein, dass es irgendwie kein Morgen geben würde, dass ich einfach in der Wanne bleiben und mich auflösen könnte. Zumindest bis zum Wochenende.
Erst dann wollte ich mich wieder materialisieren und Schuhe kaufen gehen. Oder irgendetwas anderes Unwichtiges, dass mir die Bestätigung gab gutaussehend und begehrenswert zu sein.
Frauen sind Rätsel. Ein unlogisches Enigma, das stets um Beachtung und Verständnis kämpft und gleichzeitig immer geheimnisvoll bleiben will.
Auf der einen Seite war ich froh die Sache mit Alexander beendet zu haben. Auf der anderen Seite fühlte ich mich plötzlich ungeliebt und allein.
Mir war klar, dass dies nicht die Beziehung war, nach der ich mich sehnte und das es so oder so keine Zukunft gehabt hätte. Im Gegenteil, ich war mir sehr wohl bewusst darüber gewesen, dass ich genau das nicht wollte und eigentlich nur nach einer Möglichkeit gesucht hatte irgendwie unbeschadet aus diesem Interessenkonflikt heraus zu kommen.
Aber es war so einfach, so angenehm, wenn man wusste, dass es jemanden gab, der sich für einen interessiert. Und wenn es nur um des Sex Willen war.
Alexander zurück zu weisen war gleichzeitig das eigene Urteil über mich selbst.
Und je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr ärgerte es mich.
Es war toll Single und ‚available‘ zu sein. Doch damit ging auch Arbeit einher...
Ich schüttelte unwillig den Kopf und griff nach dem Telefon. Ich hatte versprochen mich zu melden. Und selbst wenn ich das jetzt nur tat um mich selbst auf andere Gedanken zu bringen, so wollte ich dieses Versprechen halten.
Es klingelte etliche Male, bevor sich Shore am anderen Ende der Leitung meldete.
„Habe ich dich geweckt?“ fragte ich unschuldig.
„Nein.“
„Störe ich dich?“
Man konnte ihn lächeln hören. „Nein.“
„Was machst du?“ Ich kniff die Augen zusammen und ohrfeigte mich innerlich selbst.
„Ich liege in meinem Bett und...“
„Oh, keine Details!“ unterbrach ich ihn, Schlimmes fürchtend.
„...lese ‚Bis ich dich finde‘ von John Irving.“ Beendete er seinen Satz.
Ich stutzte „Du liest Irving?“ fragte ich überrascht.
„Ja. Fällt das unter die sieben Totsünden? Oder warum überrascht dich dass so sehr? “ Er machte ein kurze Pause. „Du solltest entspannter sein, wenn du in der Badewanne liegst.“
Ungewollt lies ich den Blick durch mein Badezimmer schweifen und suchte nach einer Kamera. „Woher...“
„Es hallt. Da du in keinem Tempel wohnst, musst du demnach im Badezimmer sein. Und Frauen telefonieren nur im Bad, wenn sie in der Wanne liegen.“
Ich nahm einen Schluck aus meinem Weinglas. „Du bist ein Frauenversteher.“
„Vermutlich war ich im früheren Leben selber mal eine.“
„Mit langen blonden Haaren und endlosen Beinen.“
Shore lachte. „Ich war sicherlich brünett.“
„Du bist blond.“ Wandte ich ein.
„Und ein Mann.“ Korrigierte er mich. „Davon abgesehen bin ich dunkelblond. Wenn ich also schon das Gegenteil von dem war, was ich heute bin, dann war ich sicherlich brünett.“
„Und Nonne.“ Warf ich dazwischen.
„Autsch!“ Shore klang gekränkt, auch wenn ich mir nicht sicher war, weil ihm damit ein Gegenteil unterstellte, dass er heute nicht mehr war, oder weil er sich über den weißen Schleier ärgerte.
„Für jemanden, der seine Affaire gerade vor die Tür gesetzt hast, teilst du mit vollen Händen aus.“
Ich seufzte. „Entschuldige.“ Die Situation aus der Bibliothek wiederholte sich und ich suchte nach etwas, dass die Aussage abschwächen konnte. Offensichtlich war dort aber nichts.
Mir kam es auch seltsam vor, dass er sonst keinen Hehl daraus machte, was seine Eskapaden anging, sich aber immer dann ärgerte, wenn ich dieses Thema zu Sprache brachte. Offensichtlich zählten bei mir andere Maßstäbe und ich musste das so hinnehmen.
Alan hatte Mitleid mit mir und wechselte das Thema. „Warum überrascht dich dass ich Irving lese?“
„Es überrascht mich nicht, das Buch passt gut zu dir.“ Antwortete ich ehrlich.
„Aber?“
„Auf meinem Nachttisch liegt ‚Gottes Werk und Teufels Beitrag‘.“
Kurze Stille folgte. „Liegt es dort nur, oder liest du es auch?“
„Ich lese es auch. Allerdings schaffe ich meist nicht mehr als drei Seiten am Abend, bevor mir die Augen zufallen.“ Gab ich zu. „Ich könnte keine Stunden lesen, so wie du.“
„Wer sagt denn, dass ich den ganze Abend lese?“ seine Stimme hatte wieder zu diesem Telefon-Sex-Ton gefunden.
„Alan!“
Er lachte. „Du bist furchtbar leicht aus dem Konzept zu bringen, Cathrine.“
„Ha ha ha.“ Ich schmollte.
„Und du bist eine Diva.“
„Dito!“
„Ja, das nehme ich so hin.“ Ich hörte das Rascheln seiner Bettdecke. „Davon ausgehend, dass du keine Ambitionen hast deine Badewanne heute mit mir zu teilen und ich dich sicherlich auch nicht zum Bettlaken überreden kann, muss ich in Ermangelung, nun leider Sex mit mir selbst haben.“
Ich sah perplex den Hörer an. „Alan...“
„Ja?“ fragte er leise.
Ich wartete, dachte über was Passendes nach und...verpasste meine Chance.
„Schlaf gut, Cathrine Crane.“ Flüsterte er und legte auf.

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