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March 2008

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My Muses

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After the Glory | BL FanFiction

Mir war nicht nach Jury. Mir war eigentlich nach überhaupt nichts.
Es war kurz nach halb elf, als ich beschloss den Merlot vom Vorabend zu ende zu bringen und mir ein großzügiges Glas eingoss. Eine weitere halbe Stunde später hatte ich die Flasche bereits geleert, eine weitere geöffnet und brütete zur Ablenkung über meinen Unterlagen zum Martha Peck Fall. Chapman hatte mir unerwartet ein Angebot unterbreitet, von dem ich noch nicht als letztes Wort in dieser Sache ausging. Ich prüfte einmal mehr alle meine Daten und machte mir Notizen, die ich als weitere Argumentation gebrauchen konnte. Außerdem stellte ich mir die Frage, wie viel ich, objektiv gesehen, aus dem Fall rausholen konnte. Und ob ich dafür vor eine Jury musste oder nicht. Gestern hätte Shore noch alles dafür gegeben um mit mir schlafen zu können und heute versetzte er mich rigoros.
Dafür hatte ich mich in mein ‚kleines Schwarzes‘ gestürzt und ‚aufgerüscht‘. Damit ich alleine auf meinem Sofa saß und die Reste des Weins vernichtete, denen ich am Abend zuvor nicht Herr geworden war.
War ich sauer? Ich habe keine Ahnung. Enttäuscht wäre das passendere Wort gewesen.
Ohne wirklich zu wissen, was ich mir von dem Abend eigentlich versprochen hatte.
Ich kannte Alan eigentlich viel zu lange um überhaupt irgendetwas zu erwarten. Wir waren Freunde und das wiederum war mir wichtig. Und Alan war der beste Freund meines Vaters...
Innerlich plante ich bereits mein Wochenende, dass ich mit ausschlafen und Nichts-Tun verbringen wollte. Ich würde ins Kino gehen und mir American Gangster mit Denzel Washington ansehen und dann im Blue Lagoon Pina Coladas trinken...
Es klingelte an meiner Tür, wobei ich mich einen Moment fragte, ob das lediglich in meiner Einbildung passiert war. Ein neuerliches Klingeln scheuchte mich schwankend vom Sofa und ließ mich öffnen.
„Oh.“ Sagte ich gedehnt und warf demonstrativ einen Blick auf die Uhr an meinem Handgelenk.
Shore machte ein entschuldigendes Gesicht. „Es tut mir leid, ich bin zu spät.“
„Zu Spät?“ ich schüttelte den Kopf. „Nein, es ist erst zwanzig nach elf.“ Flötete ich ironisch und machte eine wegwerfende Geste. „Alles noch im Zeitrahmen.“
Alan fing meinen finsteren Blick auf und schloss selbst kurz die Augen. „Es tut mir ehrlich leid...“
„Lass gut sein, Alan.“ Ich zuckte die Schultern. „Das ist nicht meine Woche...“
„Das ist nicht unser beider Woche.“ Erwiderte er resigniert, mich musternd ansehend und plötzlich grinsend. „Du bist vollkommen betrunken.“ Stellte er amüsiert fest.
„Nein, nur halb.“
„Natürlich, der Türrahmen kann ohne dich nicht stehen, das habe ich übersehen.“
„Richtig!“ mein Sarkasmus war nach wie vor vorhanden, auch wenn ich ihm Recht geben musste.
„Richtig.“ Wiederholte er, dem ein kurzes Schweigen folgte.
„Es tut mir wirklich leid.“
Wenn es wirklich einen Hundeblick gab, dann beherrschte Alan ihn perfekt. Traurig, um Vergebung bettelnd sah er mich an und ich – gab mir den inneren Ruck und trat zur Seite.
„Ich lade dich auf einen Kaffee ein, damit du den Weg wieder nach Hause findest.“
„Den Weg nach Hause?“ er hatte beide Augenbrauen hochgezogen. „Ich dachte ich schlafe hier?“
„Gut.“ Lenkte ich ein. „Ich räume meinen Wäschekorb aus dem Gästezimmer und du kannst dich dort ausbreiten.“ Ich grinste ihn frech an, in meiner Küche verschwindend, aus der ich, statt mit einer Tasse, mit einem Weinglas und einer großen Flasche Wasser zurückkehrte.
„Hier.“ Ich drückte ihm beides in die Hand und ging in das angepriesene Gästezimmer, wo ich meinen Wäschekorb vom Bett räumte und die Nachttischlampe einschaltet, ehe ich mich im Wohnzimmer wieder zu ihm gesellte.
Alan saß auf meiner Couch, goss Wein in sein Glas und beobachtete, wie ich mich neben ihn setzte.
„Du trägst immer noch deinen Anzug.“ Tadelte ich ihn.
„Sind wir schon an dem Punkt, wo ich mich ausziehen muss?“
Ich schüttelte den Kopf „Du hast gesagt, das sei ein Date, und ich dürfte nicht in Anwaltsklufft erscheinen. Ist das etwas das nur für mich gilt?“
„Ich bin von meinem letzten Mandanten direkt zu dir gekommen.“ Verteidigte er sich, seine Krawatte lösend und vom Hals ziehend.
„Du hast Mandanten, die du am Freitagabend noch betreust und von denen du erst nachts los kommst?“ fragte ich zweifelnd.
Für Alan schien das jedoch alltäglich und er lehnte sich entspannt zurück. „Ja, ich habe solche Mandanten.“
Ich nippte an meinem Wein, weiterhin nicht wirklich an das glaubend, was er mir erzählte. Und er registrierte diesen Unglauben. „Michael ist ein Freund von mir.“ Begann er zu erklären.
„Ich verstehe.“
„Nein, tust du nicht.“ Es war kein Vorwurf, sondern lediglich ein Feststellung. Alan strich mir eine Strähne aus der Stirn. „Gott Cathrine, mit dir ist diese Woche überhaupt nicht gut Kirschen essen.“
„Das ist eben nicht meine Woche. Die nächste wird sicherlich besser.“
Er nickte und seine Hand legte sich auf meine Schulter. „Michael hat Krebs im Endstadium.“
Ich musste aussehen, als habe ich auf eine saure Zitrone gebissen. „Oh.“ War alles, was mir dazu einfiel. Doch der Mann mir gegenüber sah mich gleichmütig an.
„Ich setze Michaels Testament auf. Und das war es, was ich heute Abend gemacht habe. Ich habe mit einem Block, vielen guten Vorsätzen und tatsächlich als Anwalt, der ich ja nun mal bin, in einem Krankenhaus gesessen und den Nachlass eines meiner Mandanten aufgenommen und verwaltet.“
Ich biss mir auf die Lippe und bereute jedes giftige Wort, dass ich zuvor in seine Richtung geworfen hatte. „Ich war ekelig.“
„Nur ein bißchen.“ Lächelte er.
Ich schnitt eine Grimasse und er tätschelte meine Schulter. „Ich weiß, dass du auch anbetungswürdig sein kannst, wenn du willst.“
„Meinst du?“ fragte ich zweifelnd.
„Du bist eine Crane. Selbstverständlich.“

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