?

Log in

thoughtfull

March 2008

S M T W T F S
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031     

My Muses

Powered by LiveJournal.com
yummy

Walking on sunshine? | BL FanFiction


Der Morgen danach... Ich hatte ungewöhnlich gut geschlafen und war schließlich von dem Rauschen des Regens erwacht, der beständig gegen meine Fensterscheibe schlug. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es goss wie aus Eimern und ich fragte mich, ob dass der Herbst war, den ich wollte. Wo war New Englands Indian Summer, wenn man sich wirklich danach sehnte? Widerwillig öffnete ich ein Auge und sah zum Fenster, vor dem sich der dunkelgraue schwere Vorhang resolut erstreckte und kaum Licht ins Zimmer ließ.„Ich wollte doch Schuhe kaufen...“ grummelte ich und vergrub mein Gesicht wieder im Kissen. Bei dem Wetter würde ich kaum Freude daran haben, nicht mal für Marc Jacobs, Jimmy Cho oder Manolos. Und ich wollte ins Kino und zu Victoria’s Secret und – die Sox spielten. Ich hatte Verpflichtungen, schoss es mir wieder in den Sinn.
Noch den Sand aus den Augen reibend drehte ich mich auf den Rücken und lauschte stumm den nichtvorhandenen Geräuschen in meinem Apartment. Offensichtlich schlief mein Gast noch, denn es war totenstill.
Brachte ich jetzt die Herzensgüte auf und machte Frühstück?
Die Uhr verkündete halb zehn und damit höchste Zeit für Bagles mit Cream Cheese und Maracujasaft. Denn liebte ich nämlich über alles. Und ich war ein Sklave meines Magens.

Wenn mich der Spiegel gestern nicht mochte, so hasste er mich heute. Meine Beule am Kopf hatte von attraktivem Violett in ein seltsames Grün-Grau gewechselt, was mich zunächst an die alten Gummistiefel von Dad denken ließ. Egal, was ich machen würde, dass war in keinem Fall zu überschminken! Gehässig triumphierend starrte ich also meinem Spiegelbild entgegen und sagte mir, dass Aliens bei den X-Files auch immer tragende Rollen bekommen hatten und durchaus cool waren. Ein leiser Trost, aber nun gut.

Alan schlief tatsächlich noch! Fasziniert beobachtete ich ihn von der Tür aus – in welche ich mich nach der Zubereitung des Frühstücks gestellt hatte – und musste grinsen.
Man konnte nicht sagen, dass der Anwalt im Büro stets angespannt und in Hektik erschien. Ich empfand ihn stets als ruhig und ausgeglichen, jemand, der über all den Dingen stand, die jeden Tag um ihn herum passierten und der fast alles mit einem Lächeln übergehen konnte. Trotzdem lag in Alans Mine stets etwas Nachdenkliches. Und genau diesen Zug schien er im Schlaf abzulegen. Zumindest soweit ich es beurteilen konnte.
Ich dachte einen Moment darüber nach ihn schlafen zu lassen entschied mich dann aber dagegen, da diese Sache ohnehin nicht geplant war und ich nicht wusste, was er sonst an diesem Wochenende vorhaben mochte.
„Alan?“ ich war an das Bett getreten und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. Erschrocken fuhr er zusammen und öffnete die Augen, nicht recht wissend, wo er war, bis er mich ansah.
„Was?“ fragte er verschlafen.
„Frühstück.“
Wie ich selber zuvor, wischte auch er sich durch die Augen und versuchte wach zu werden. „Du hast Frühstück gemacht?“
Ich nickte. „Ja. Und die Küche steht noch.“
Er schloss die Augen und schnupperte in die Luft. „Und Kaffee.“ Stellte er überrascht fest.
Ich nickte abermals. „Jepp.“
„Du trinkst überhaupt keinen Kaffee.“
„Nein, aber du.“
„Du hast extra für mich Kaffee gekocht?“ er klang begeistert.
„Mit Milch.“ Ich legte eine Hand aus Herz und warf mich in theatralische Pose. „Ich bin viel zu gut für diese Welt.“ Und mit einem Grinsen setzte ich hinzu. „Ich habe einen fabelhaften Kaffeeautomaten.“

Ich saß bereits am Tisch und las im Globe, als Shore sich zu mir an den Esstisch gesellte und anerkennend über die aufgetragenen Speisen blickte.
„Es ist nicht das Fairmont.“ Entschuldigte ich mich und nippte an meinem Saft.
„Es ist besser als das Hotelfrühstück.“
Ich sah über den Rand der Zeitung hinweg zu ihm. „Du sollst dich nicht immer lustig über mich machen, ich bin sensibel!“
„Ich meine das ernst. Im Hotel habe ich nie so angenehme Gesellschaft.“
Die Zeitung wanderte wieder ein Stück in die Höhe. „Vergiss es, ich werde nicht mit dir schlafen. Du hattest gestern deine Chance und wolltest nicht.“
„Ha! Du wärst an einem Herzinfarkt gestorben.“
„Deshalb nennt es sich auch der kleine Tod.“ Gab ich keck zurück.
Alan goss Milch in seinen Kaffee und rührte um. „Vermutlich werden wir noch ein weiteres Jahr umeinander herumtanzen und so tun, als sei nichts.“
Bedächtig faltete ich den Globe zusammen und sah ihn an. Er trug das Hemd von gestern, hatte die oberen beiden Knöpfe auf und die Manschetten zwei Mal umgeschlagen. Ohne das Jackett und die Krawatte wirkte er vollkommen anders – jugendlicher, wie ich fand. Und das Bild war ungewohnt.
„Es ist ja auch nichts.“ Beharrte ich.
„Cathrine Crane, manchmal habe ich das Gefühl, dir könnte eine Romanze in den Arsch beißen und du würdest es nicht merken!“
Perplex sah ich ihn an. „Oh ja, natürlich! Jetzt bin ich auch noch Schuld! Vielleicht kommst du einfach mal von deinem Ich-Kann-Nicht-Thron runter und ergreifst die Initiative, anstatt immer so zu tun, als sei ich so unnahbar und unerreichbar!“
„In den letzten acht Monaten gehörte deine gesamte Aufmerksamkeit Alexander Rosenberg.“ Wehrte er ab.
„Ja, warum auch nicht? Du hast dich für Sally Heep interessiert, Irma Levine, Chelina Hall, Sara Holt...“
„Jetzt übertreibst du!“
Meine Augen formten sich zu Schlitzen. „Melissa.“ Ergänzte ich.
„Cathrine, das ist totaler Blödsinn.“
„Du hattest auf alle ein Auge geworfen.“
Alans Blick wurde kühl. „Marc Halper.“ Es klang wie ein Pistolenschuss und mein Kopf ruckte ungewollt zurück. Offensichtlich war er noch nicht fertig. „DA Carlyle. Alexander Rosenberg. Ich liege dir vielleicht um ein oder zwei Namen voraus, aber ein Kind von Trauirigkeit bist du auch nicht.“
Er trank einen Schluck Kaffee.
„Ha! Und jetzt? Führst du demnächst eine Strichliste über meine Bettgeschichten?“ gab ich brüsk zurück.
„Du führst doch auch eine über meine.“ Antwortete er gelassen.
Ich lachte. „Du bist eifersüchtig!“
„Wie du!“
Ich stand auf. „So ein Schwachsinn. Ich bin duschen!“

Als ich das nächste Mal aus dem Badezimmer kam war Alan verschwunden und mein schlechtes Gewissen meldete sich. Ich war unfair ihm gegenüber. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst war hatte er das nicht verdient. Ich mochte Alan. Und Irgendwo in mir wusste ich, dass er Recht hatte. Wir tanzten umeinander herum und vermutlich stellten wir uns beide immer wieder die Frage, warum wir dem nicht endlich nachgaben. Für mich war es schlichtweg die Angst einen guten Freund zu verlieren, wenn es nicht funktionierte. Mit welchen Dämonen Shore kämpfte konnte ich nicht genau sagen. Ich wusste aber, dass es genug davon gab.
Einmal mehr hatten wir der Möglichkeit es herauszufinden keine Chance gegeben. Oder eben ich.
Es dauerte bis in die Abendstunden, bevor ich soweit war das Telefon zur Hand zu nehmen und ihn anzurufen. Ich kam mir elendig und gemein vor und wollte mich für meine herablassende Art entschuldigen. Mein Anruf blieb jedoch unbeantwortet. Ich versuchte es noch mehrere Male, im Hotel und auf seinem Handy, doch niemand nahm ab, was mir die Gewissheit gab, dass Alan ernstlich sauer auf mich sein musste.
Karma ist Scheiße! Rief ich mir wieder in den Sinn und behielt dieses Mantra für den restlichen Abend, bis mir irgendwann über Irving wieder die Augen zugefallen waren.

Comments