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March 2008

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nuts

Daylight's gone | BL FanFiction


Es war kurz vor vier, als mich das unerbittliche Klingeln meines Telefons weckte. Vor ungefähr hundert Jahren, als ich ein ideeller Student war und ging ich mit dem Glauben nach Harvard, dass Juristen immer gute gekleidet waren, schicke Autos fuhren und ein geregeltes Leben führten. (Das Gericht schloss gegen achtzehn Uhr und so hatte man genügend Zeit am Abend durch sämtliche Clubs zu ziehen und Spaß zu haben, während die Sekretärinnen sich um alles Weitere kümmerten.) Ich armer unschuldiger Engel.Die traurige Wahrheit war, dass Anwälte, ebenso wie Ärzte oder Pete vom Schlüsseldienst, immer parat zu stehen hatten und zu jeder Tages- und Nachtzeit im Dienst waren. Auch wenn wir oft versuchen das zu verdrängen, so hat jeder unserer Klienten das Recht rund um die Uhr gut beraten zu werden. Und ich erinnerte mich wieder an diese Tatsache, als ich das Telefon von meinem Nachttisch fischte. „Ja.“ Murmelte ich. „Cathrine Crane?“ „Ich glaube, dass ich so heiße. Wer ist da?“ „Boston Police Department. Sie müssen auf’s Revier kommen, einer Ihrer Mandanten verlangt nach Ihnen.“ Kettete ihn an den Tisch und ruft mich um zehn noch mal an, wenn ich wieder weiß, wie man Massachusetts buchstabiert. „Welcher Mandant?“ fragte ich, als ich mich langsam aus dem Bett schälte. „Alan Shore.“ gab der Officer bereitwillig Auskunft. Schlagartig war ich wach. „Alan Shore?“ wiederholte ich ungläubig und sprang fast auf die Füße, in aller Hektik Kleidung zusammensuchend und in meine Jeans schlüpfend. „Ja, Alan Shore. Wann werden Sie hier sein?“ „Zwanzig Minuten.“ Es gibt Wunder und Begebenheiten, von denen man glaubt, dass sie niemals eintretn würden. Und wenn dies doch geschieht, will man sie nicht glauben, weil ihre schlichte Existenz einfach nur so absurd ist, dass sie nicht wahr sein können. Einem ähnlichen ‚Wunder‘ sah ich mich nun gegenüber, als ich aus meinem Wagen auf die regennasse Straße trat und das Bostoner Police Department an der Harris Avenue betrachtete, dass im Dunkeln vor mir aufragte. Auf der Fahrt hierher hatte ich mir mehrfach durch den Kopf gehen lassen, was mir der Officer zuvor am Telefon mitgeteilt hatte. Alan wurde beschuldigt eine Frau vergewaltigt zu haben. Ich war nicht sicher ob ich lachen oder weinen sollte. Normalerweise saß Alan hinter Gittern, weil er im Gericht frech wurde und sich daneben benahm, oder, weil irgendwelche Nutten involviert waren. Kleiner Dinge, die meist innerhalb von zehn Minuten aus der Welt geschaffen waren. Aber Vergewaltigung? Das schlug ein neues Kapitel auf, das mich für den anfang so sehr irritierte, dass mich plötzlich ein seltsames Unbehagen überkam, als ich vor dem Revier stand. Ich wusste, dass Alan niemals einer Frau – egal wem – ein Haar würde krümmen können. Und schon gar nicht wegen Sex. Vergwelatigung war etwas, das nicht zu ihm passte und ich mir, beim Besten Willen nicht vorstellen konnte. Absolut nicht. Ich hatte aber auch noch keinen Einblick in die Beweiselage bekommen, ganz zu schweigen, mit meinem Mandanten gesprochen. Das BPD wirkte, entgegen allen Klischees, aufgeräumt und kultiviert. Es hatte nichts von dem Chaos, dass man sonst auf großen Kinoleinwänden oder bei Law and Order sah. Mich begrüßte auch kein charmanter Chris Noth oder T.J. Hooker. Für einen Samstagmorgen war es ungewöhnlich ruhig im Backbay Distrikt und dementsprechend gelassen wirkten seine Cops. Von den elf Distrikten in Boston kannte ich jedes einzelne Department, hatte in dreien selbst schon einmal für mehrere Stunden eingesessen und wieder in einem anderen eine satte Ohrfeige von einem meiner Klienten erhalten. Es gab gute und weniger freundliche Polizisten. Die, die in ihren dunklen Uniformen ihren Dienst schoben und die Straßen im Auge behielten und die, die in schlecht gebügelten Hemden und zerknitterten Anzügen entnervt an ihren Schreibtischen saßen und den Papierkram erledigten. Trotzdem waren sie alle feine Jungs, für deren Präsenz ich immer wieder dankbar war. Nichts desto trotz hatte ich Glück und ein Detective in vorher beschriebenem zerknitterten Anzug nahm sich meiner an. Ich weiß nicht, ob er Mutter Teresa erwartet hatte, aber sein Blick wanderte musternd zunächst über mein Gesicht und dann über den Rest meiner Erscheinung. (Ja! Auch Anwälte tragen Jeans. Und nein, wir sehen nicht immer so aus, als seinen wir gerade aus dem BOSS Katalog gesprungen.) Gerade, als ich ihn fragen wollte, ob ich ihm behilflich sein konnte, nahm er einen Hefter von seinem Tisch und wies mir den Weg zum Verhörraum, in dem man Alan festhielt. Mit vielem hatte ich gerechnet, jedoch spottete die Szene in die ich platzte jeder Beschreibung. Der verhörende Detective hatte sich vor seinem Tatverdächtigen aufgebaut und stierte diesen wütend an. Vor ihm auf dem Tisch lag ein Block, auf dem in unsauberem Gekrakel so etwas wie ein Geständnis stand, unter dem nur noch eine Unterschrift fehlte. Alans, um genau zu sein. Und dieser sah abwesend auf die schiefen Buchstaben. Der Kleidung nach zu urteilen und seinem Gesichtsaudruck nach zu schließen, war er nicht zu Hause gewesen. Ich hatte gut sechs Stunden geschlafen, aber Shore machte den Eindruck seit Samstag Morgen kein Bett mehr gesehen zu haben. Er wirkte elend und vollkommen am Ende. Auf der dreckigen Tischplatte fand sich ein schäbig wirkender Pappbecher, in dem eine trübe Brühe die Illusion von Kaffee schuf. Anhand der wenigen Dinge, die ich sah, versuchte ich mir schnell ein Bild zusammen zu reimen und die Situation richtig einzuschätzen. Es kostete mich zwei Atemzüge, ehe ich meinen Groll richtige kanalisiert hatte und den Blick des Detectives finster erwidern konnte. Unabhängig davon, dass ich Alans Freund war, zählte jetzt vor allem meine Funktion als Rechtsbeistand. Kommentarlos griff ich nach dem Block und las die wenigen Zeilen, die das vermutete geständnis enthielten, das Shore unterschreiben sollte. Angewidert warf ich es wieder auf den Tisch und sah den Detective an. „Das ist so lächerlich, dass man es fast glauben könnte. Es klingt ein bißchen wie eine Episode aus ‚Reich und Schön‘.“ „Ihr Mandant hat eine Frau brutal vergewaltigt.“ Blaffte mir der Mann entgegen, während ich mich ruhig sammelte. „Mein Mandant wird jetzt mit mir gehen.“ „Das glauben Sie ja wohl selber nicht, Schätzchen.“ Shore hob den Kopf und setzte zu einer Erwiderung an, ich kam ihm jedoch zuvor. „Ich bin 1,80m und habe Schuhgröße vierzig, das ist jenseits von allem Niedlichen, dass einer Titulierung wie Schätzchen, Puppe oder Süße, jemals gerecht werden könnte.“ Ich machte einen Schritt auf den Polizisten zu und reckte mein Kinn in die Höhe. „Um Ihre Frage jedoch zu beantworten: Doch, ich glaube daran und werde Mr. Shore jetzt mitnehmen. Laut Ihrem eigenen Polizeibereicht hat Ihr bisher einziger Zeuge einen Mann in einem dunklen Anzug beschrieben, der Größe und Statur meines Mandanten besitzt, wie jeder dritte Bostoner. Zudem sollte nach den etlichen Stunden, die Sie für Ihr Verhör Zeit hatten, jede Frage von Ihnen ausreichend beantwortet sein. Womit wir bei einem ganz anderen Punkt wären.“ Es überraschte mich selbst, wie meine Stimme von dem zuckrigen Unterton zu einem kühlen Eiswind wurde. „Sie haben meinen Mandanten fünf Stunden hier festgehalten, ohne einen Anwalt, ohne Schlaf ohne Essen. Allein das sind schon drei Tatsachen, warum ich Ihnen einen Verfahrensfehler an den Arsch hängen werde. Vielleicht finde ich auch noch einen vierten und fünften Punkt, wenn ich aufmerksam genug danach suche. Der Staatsanwalt wird sich über Ihre exzellente Arbeit jedenfalls freuen, besonders, da Sie versucht haben in Abwesenheit eines Rechtsbeistandes die Unterschrift zu einem abstrusen Geständnisses zu bekommen.“ Ich wandte mich zu Alan um und legte ihm auffordernd eine Hand in den Rücken. „Diese Unterredung ist beendet, oder ich schwöre Ihnen, dass ich innerhalb der nächsten zehn Minuten drei Richter aus dem Bett geklingelt habe, die mir eine Verfügung unterschreiben werden. Gehen Sie mir also aus dem Weg, Detective“ ich sah auf seine Marke „Keene.“

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